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Geschichte und Wiederaufbau der Schlosskirche Jahnishausen
Geschichte eines besonderen Kulturdenkmals - Die Schlosskirche Jahnishausen ist eng mit der Geschichte des Rittergutes und des Dorfes Jahnishausen verbunden. Über Jahrhunderte hinweg prägte sie das kulturelle und geistliche Leben der Region. Nach Zeiten der Blüte, des Verfalls und der Bedrohung durch Abriss engagieren sich seit 1990 Bürgerinnen und Bürger im „Verein Historische Schlosskirche Jahnishausen e.V.“ mit großem Einsatz für die Rettung und den Wiederaufbau des historischen Bauwerks.
Die Anfänge im 17. Jahrhundert
Der erste Bau einer Schlosskapelle in Jahnishausen wird auf die Jahre 1663 bis 1666 datiert. Bauherr war der Rittergutsbesitzer August von Kötteritz, der im Alter von 62 Jahren den Grundstein für die Kirche legen ließ – „um dem Allerhöchsten zu Ehren“ ein würdiges Gotteshaus zu schaffen.
Über das genaue Aussehen der ersten Kirche ist nur wenig überliefert. Bekannt ist jedoch, dass sie einen ovalen Grundriss besaß, der später auch beim Neubau übernommen wurde.
Zerstörung und Neubeginn
Im Jahr 1730 wurde das Schloss bei einer Feuersbrunst schwer beschädigt, wobei auch die Kirche erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. In den folgenden Jahrzehnten setzte ein zunehmender baulicher Verfall ein. Schließlich ordnete die oberste sächsische Kirchenbehörde 1754 aufgrund der Einsturzgefahr die vollständige Schließung der Kirche an.
1779 wurde die ruinöse Kirche schließlich abgetragen. Damit blieb Jahnishausen fast fünf Jahrzehnte ohne eigenes Gotteshaus.
Erst nachdem Christoph Dietrich von Piötz im Jahr 1786 Schloss und Gut erworben hatte, entstanden Pläne für einen Neubau. Zwar wurde sein Wunsch, die Kirche nach dem Vorbild der Pausitzer Kirche zu errichten, von den Baubehörden nicht genehmigt, dennoch entstand ab 1790 ein neuer Kirchenbau mit dem traditionellen ovalen Grundriss. Der Turm wurde 1792 vollendet.
Die feierliche Einweihung erfolgte jedoch erst 1796, nachdem langwierige Prozesse um Lehnsforderungen beigelegt werden konnten.
Wechselvolle Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert
In den folgenden Jahrzehnten wechselten Schloss und Kirche mehrfach den Besitzer. Schließlich gelangten Rittergut und Schlosskirche in den Besitz des Hauses Wettin. In den 1930er Jahren wurde die Kirche an die Kirchgemeinde Pausitz übertragen.
Bis in die 1970er Jahre fanden regelmäßig Gottesdienste statt – zuletzt an jedem dritten Sonntag im Monat. Danach begann erneut eine Phase des Verfalls. Es fehlten sowohl finanzielle Mittel als auch Baumaterialien, um das Gebäude instand zu halten.
In den 1980er Jahren stand die Schlosskirche sogar kurz vor dem Abriss. Lediglich das Fehlen der damals veranschlagten 30.000 Mark verhinderte den vollständigen Verlust des Bauwerks.
Der Wiederaufbau ab 1990 – Engagement für den Erhalt
Mit der politischen Wende begann auch für die Schlosskirche Jahnishausen ein neuer Abschnitt. Bereits 1990 gründete sich der „Verein Historische Schlosskirche Jahnishausen e.V.“, der sich seitdem mit großem ehrenamtlichem Engagement für die Sicherung, Restaurierung und Wiederbelebung der Kirche einsetzt. Die Initiative ging von Roswitha Mildner, Dieter und Doris Krauße, Rainer Grellmann und einigen anderen aus.
Roswitha Mildner begleitete die Arbeit des Vereins bis 2017 mit großen Engagement.
Der Verein verfolgt das Ziel, die Schlosskirche als bedeutendes Denkmal der regionalen Geschichte dauerhaft zu erhalten und zugleich als Ort für Kultur, Begegnung und Veranstaltungen nutzbar zu machen. Laut Vereinssatzung stehen dabei insbesondere die Denkmalpflege sowie die Förderung von Kunst und Kultur im Mittelpunkt.
Seit der Gründung wurden zahlreiche Maßnahmen zur Sicherung und Rekonstruktion des Gebäudes begleitet und unterstützt. Dabei arbeitet der Verein eng mit der Stadt Riesa zusammen, die nach der Eingemeindung Jahnishausens Eigentümerin der Kirche wurde.
Das Engagement der Vereinsmitglieder reicht von organisatorischer Arbeit und Spendensammlungen bis hin zur Durchführung kultureller Veranstaltungen und Konzerte. Ziel ist es, die historische Schlosskirche nicht nur baulich zu erhalten, sondern sie wieder zu einem lebendigen Mittelpunkt des Ortes werden zu lassen.
Die Schlosskirche heute
Die Schlosskirche Jahnishausen steht heute beispielhaft für den erfolgreichen Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger zum Erhalt regionaler Kulturdenkmale. Was einst vom Verfall bedroht war, konnte durch gemeinschaftliches Handeln bewahrt werden.
Der „Verein Historische Schlosskirche Jahnishausen e.V.“ trägt bis heute maßgeblich dazu bei, dass die Geschichte dieses besonderen Bauwerks nicht in Vergessenheit gerät und die Kirche auch für kommende Generationen erhalten bleibt.
Konzerte
Ausstellung